Cannabis, wie wirkt es und welche Risiken bestehen?

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Cannabis und Joint auf einem Tisch
Monica Click|shutterstock.com

In Deutschland gibt es schätzungsweise 4 Millionen Menschen, die Cannabis konsumieren. Weltweit schätzen die Vereinten Nationen die Konsumenten auf über 180 Millionen Menschen. Da in den meisten Ländern der Welt der Handel und der Besitz von Cannabis verboten sind, bewegen sich somit der Großteil dieser Menschen im Rahmen der Illegalität.

Die Wirkweise von Cannabis

Um die Wirkung von Cannabis zu verstehen, muss man wissen, dass unser Körper ein eigenes Cannabis-ähnliches System (Endocannabinoid-System) besitzt. Die hier zum Tragen kommenden körpereigenen Botenstoffe (Endocannabinoide) sind den Inhaltsstoffen des Cannabis sehr ähnlich und greifen an den sogenannten Cannabinoid-Rezeptoren an. Diese Rezeptoren existieren unter anderem an Nervenzellen vor allem im Gehirn aber auch an Immunzellen und anderen Zellen außerhalb des Gehirns. Im Gehirn hat dieses System einen vielfältigen Einfluss auf die unterschiedlichsten Hirnfunktionen.

Wenn man diesen Zusammenhang kennt, ist es leicht verständlich, dass Cannabis psychotrope Eigenschaften besitzt. Dies bedeutet, Cannabis kann unsere Psyche beeinflussen und sowohl angenehme als auch unangenehme Empfindungen hervorrufen. Es kann die Stimmung anheben, zu Entspannung, Heiterkeit und Wohlbefinden beitragen oder aber auch zu einem gesteigerten Kommunikationsbedürfnis. Andererseits kann Cannabiskonsum aber auch die Stimmung herunterdrücken, zu Unruhe, Angst und Panikreaktionen bis hin zu Verwirrtheit mit Verfolgungswahn und Wahnvorstellungen führen. Darüberhinaus hat Cannabis aber auch schmerzlindernde, muskelentspannende, appetitanregende, die Übelkeit unterdrückende und gefäßerweiternde Eigenschaften. Aus diesen Gründen findet Cannabis auch Anwendung in der Medizin.

Welche Gefahren bringt Cannabis mit sich?

Die Gefahr für psychische Störungen bzw. Psychosen, wie Schizophrenie, ist vor allem bei Menschen, die bereits in jungen Jahren mit dem Cannabiskonsum beginnen, deutlich erhöht. Forscher gehen etwa von einer Verdoppelung des Risikos aus. Eine allgemein erhöhte Anfälligkeit für psychische Störungen aufgrund einer genetischen Vorbelastung oder aber anderer äußerer Faktoren, wie Traumata, Schwierigkeiten in der Familie u.a., scheinen jedoch eine Grundvoraussetzung für den Ausbruch zu sein. Durch Cannabiskonsum kann die Schwelle überschritten werden und die Psychose zum Ausbruch kommen. Cannabis ist daher nicht der unmittelbare Auslöser für die Entstehung einer Psychose. Der Gehalt an THC hat ebenfalls einen großen Einfluss auf die Nebenwirkungen, und so stehen vor allem die hochgezüchteten Sorten oder die mit THC-haltigen Flüssigkeiten besprühte Ware besonders in Verdacht. Mittlerweile gibt es auch chemisch veränderte Stoffe, die eine deutlich stärkere Wirkung besitzen als THC. Auch diese sind sehr kritisch zu sehen, da sie mit deutlich höherem Risiko einhergehen.

Die Nebenwirkungen sind gut nachzuvollziehen, da das Endocannabinoid-System an unserer Gehirnentwicklung beteiligt ist, welche erst im jungen Erwachsenenalter endgültig abgeschlossen ist. Die Cannabis-Inhaltstoffe, allen voran das Tetrahydrocannabinol (THC), greifen aber genau an diesen Rezeptoren in unserem Gehirn an und können somit einen Einfluss auf die Entwicklung ausüben. Daher ist das Risiko für Nebenwirkungen im jugendlichen und heranwachsenden Alter definitiv am größten.

Auch Störungen in der Gedächtnis- und Konzentrationsleistung werden diskutiert, die Effekte scheinen aber bei Erwachsenen eher weniger stark ausgeprägt zu sein. Wenn man auch bedenkt, wieviele Menschen weltweit Cannabis konsumieren, darunter auch berühmte Persönlichkeiten und Leute aus allen Berufsschichten, die viel in ihrem Leben oder für die Gesellschaft erreicht haben, ist dieser Aspekt nicht unbedingt so leicht nachvollziehbar. Man darf hier aber sicherlich nicht verallgemeinern und natürlich hat auch die Regelmäßigkeit des Konsums und ebenfalls der Gehalt an THC einen Einfluß. Es steht jedoch auch fest, dass diese Effekte nach dem Absetzen des Konsums durchaus reversibel sind. Bei Kindern und Jugendlichen gilt aber auch in diesem Zusammenhang absolute Vorsicht, denn hier zeigen Studien, dass regelmäßiger Cannabiskonsum einen Einfluß auf den Intelligenzquotienten hat.

Cannabiskonsum kann durchaus auch zu einer psyschischen Abhängigkeit führen. Das Potential ist niedriger als bei anderen Rauschdrogen und die körperlichen Auswirkungen sind milder und weniger spürbar. Aber bei langanhaltendem intensiven Konsum ist eine körperliche Abhängigkeit möglich. Ein Entzug ist grundsätzlich leichter als bei anderen Drogen, trotzdem ist die Gefahr eines Rückfalls sehr hoch.

Cannabis ist jedoch definitiv keine Einstiegsdroge. Hier sind sich mittlerweile alle Fachleute einig, dennoch wird dies fälschlicher Weise gelegentlich noch behauptet. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass Dealer ein großes Interesse an einer Abhängigkeit ihrer Kunden haben und daher bestimmt auch andere Drogen anbieten, um dies zu erreichen.

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Legalisierungsbestrebungen – pro und contra –

In Deutschland existiert, wie in vielen anderen Ländern auch, eine starke Legalisierungsbewegung, die sich mit den Cannabisgegnern eine kontroverse Diskussion liefert. Diese Diskussion ist längst auch in der Politik angekommen, während CDU/CSU sich recht deutlich gegen eine Legalisierung aussprechen, ist sich die SPD bezüglich ihrer Positionierung noch uneinig, wohingegen die Grünen deutlich für eine Legalisierung plädieren.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), bezieht klar Stellung und ist strikt gegen eine Legalisierung. Ihr geht es vor allem um den Verbraucherschutz und sie befürchtet durch eine Legalisierung eine falsche Signalsetzung und Verharmlosung von Cannabis, die dazu führen könnte, dass vor allem der Cannabiskonsum bei Jugendlichen stark zunimmt.

Es sind sich eigentlich alle Beteiligten einig, dass Kinder und Jugendliche besonders zu schützen sind. Allerdings hat das Verbot in den letzten Jahrzehnten nicht dazu geführt, dass der Konsum in diesen Altersgruppen rückläufig ist. Ich würde behaupten, dass heute die Mehrheit der Jugendlichen genau weiß, wo sie Cannabis beziehen kann. Dies bestätigen auch aktuelle Berichte über zunehmende Drogenprobleme in den Schulen. Könnte man über eine Legalisierung von Cannabis und einen geregelten Verkauf über spezialisierte Shops oder Apotheken vielleicht den illegalen Verkauf gerade auch an Schulen eindämmen? Sicherlich ist auch eine stärkere Aufklärung über die Gefahren des Konsums in jungen Jahren durch die Schulen wichtig.

Legalisierungsbefürworter spielen gerne die positiven Wirkungen und den Einsatz von Cannabis in der Medizin in den Vordergrund Ihrer Diskussion. Die medizinische Anwendung von Cannabis ist eine wichtige und anzustrebende Therapieoption, die vielen Menschen ein Leiden ersparen kann. Der Bundestag hat gerade einem Gesetz zugestimmt, welches die Anwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken regelt, so dass dieser Forderung nun Rechnung getragen wird. Auf die medizinische Anwendung werde ich in meinem abschließenden dritten Artikel näher eingehen.

Die Befürworter möchten Cannabis aber vor allem auch entkriminalisieren, damit sie ihren Konsum frei ausleben können, ohne den Weg in die Kriminalität gehen zu müssen. Würde eine gesteuerte, legale Abgabe dazu führen, dass der kriminelle Handel zurückgedrängt wird? Könnte man den Gehalt an THC in den Waren sogar auf bestimmte Grenzwerte beschränken, um das Risiko für Nebenwirkungen einzudämmen? Würden die Steuereinnahmen dem Staat am Ende sogar einen ordentlichen Geldregen in die Kassen spülen? Viele Punkte, die unter Berücksichtigung aktueller Studien offen diskutiert werden müssen.

Es wird häufig auch mit der Verhältnismäßigkeit in Bezug auf die legalen Rauschdrogen argumentiert. Vor allem der Alkohol ist nach Meinung vieler Fachleute deutlich gefährlicher einzustufen, aber trotzdem stehen alkoholische Produkte für nahezu jeden an jeder Straßenecke zu jeglicher Uhrzeit zur Verfügung. Ich bin allerdings nicht der Meinung, dass dies ein Argument dafür sein darf, dass somit auch Cannabis zwingend legalisiert werden muss.

[selectivetweet]#Cannabis – Welche Argumente gibt es in der Diskussion einer möglichen Legalisierung?[/selectivetweet]

Warum ist Alkohol legal erhältlich?

Der aktuelle Drogen und Suchtbericht der Bundesregierung liefert zum Thema Alkohol sehr aufschlußreiche Ergebnisse:

  • 42.000 – 74.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen von Alkoholkonsum
  • 26,7 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Kosten entstehen durch Alkoholkonsum, davon 7,4 Milliarden Euro direkte Kosten für das Gesundheitswesen
  • über 9 Liter reinen Alkohol konsumieren wir im Durchschnitt pro Kopf und Jahr

Das Statistische Bundesamt sagt in einer Pressemitteilung :

  • Im Jahr 2015 wurden 21 907 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs stationär in einem Krankenhaus behandelt
  • Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol liegen an 2. Stelle der häufigsten Gründe für einen stationären Krankenhausaufenthalt (326 971 Fälle)

In Bezug auf den Drogenkonsum stehen selbstverständlich auch die Kinder und Jugendlichen stark im Fokus, da ihnen besonderer Schutz vor den gesundheitlichen Risiken obliegt. Dem Bericht zur Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2015 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kann man folgende Aussagen entnehmen:

  • gut jeder 3. Jugendliche im Alter zwischen 12 und 13 Jahren hat erste eigene Erfahrungen mit Alkohol gesammelt
  • bei den 12 bis 17 Jährigen sind es sogar über 70% und bei den 18 bis 25 Jährigen gut 95%
  • jeder 9. Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren trinkt mindestens einmal in der Woche Alkohol
  • etwa jeder 20. Jugendliche trinkt Alkoholmengen, die über den Grenzempfehlungen für Erwachsene liegen

Die Ergebnisse werden von der Bundesregierung zumindest als kleine Erfolg bezeichnet, da die Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren abnehmende Tendenzen zeigen. Trotzdem sind sich alle beteiligten einig, dass hier auch in den nächsten Jahren noch viel zu tun ist. Der Konsum von Alkohol ist in der Bevölkerung weit verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert. Wir tolerieren in Anbetracht des legalen Alkoholkonsums als Genussmittel, dass gesundheitliche Probleme und gesellschaftlicher Schaden vorhanden sind. Mit Hilfe von Aufklärungskampagnen möchte die Bundesregierung die negativen Auswirkungen eindämmen. Hier sind sicherlich noch weitere Initiativen auch von unterstützenden Organisationen erforderlich, um eine flächendeckende Wirkung zu erzielen. Ein Verbot von Alkohol wird in der Gesellschaft jedoch meiner Meinung nach niemals durchzusetzen sein.

Warum ist Cannabis eine illegale Rauschdroge?

Gerade in Bezug auf Todesfälle steht Cannabis deutlich besser dar als Alkohol, denn es gibt weltweit keinen nachgewiesenen Todesfall. So scheint es tatsächlich unmöglich zu sein, sich mit Cannabis zu Tode zu konsumieren. Aber selbstverständlich bringt Cannabis in Bezug auf die Anwendung als Joint mit Tabak vermengt die gleichen gesundheitsgefährdenden Risiken mit sich, wie das Rauchen von Zigaretten.

Es scheint heute auch bewiesen zu sein, dass das zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingeführte Verbot von Cannabis durchaus einigen politischen und wirtschaftlichen Verstrickungen zu verdanken ist. So gab es gerade in den USA eine massive negative Publicity. Der aufstrebenden Papier- und Kunststoffindustrie wird nachgesagt, dass sie ein großes Interesse am Cannabisverbot gehabt haben soll, um im Wettbewerb gegen den Nutzhanf besser aufgestellt zu sein. Und auch die Pharmaindustrie wird sicherlich nicht ganz untätig gewesen sein.

Aber natürlich muss man sich der heutigen Ausgangssituation stellen und auch diese Argumente stellen daher keine zwingende Begründung für eine sofortige Legalisierung dar.

Ich gehe davon aus, dass die Politik in den kommenden Jahren weitere Gespräche führen wird, gerade wo der gesellschaftliche Druck in den letzten Jahren deutlich größer geworden ist. Durch die Legalisierung in Colorado und anderen Ländern wird man sicherlich weitere Daten über mögliche Auswirkungen erhalten.

Bis dahin ist es meiner Meinung nach wichtig, dass wir weitere Aufklärung betreiben und besonders über die Risiken bei Jugendlichen und Heranwachsenden informieren. Man sollte den Cannabiskonsum sicherlich nicht verharmlosen, es macht aber auch wenig Sinn, ihn durch Fehlinformationen verteufeln zu wollen. Denn auch der Reiz des Verbotenen kann ein Grund sein, warum Kinder und Jugendliche sich von Cannabis angezogen fühlen.

Hier geht es zum 3. Teil meiner Artikelserie.

 

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https://youtu.be/GE-qQZh6MZ8