Isoglukose (High Fructose Corn Syrup) in Europa auf dem Vormarsch

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Isoglukose (High Fructose Corn Sirup) in Europa auf dem Vormarsch
stevepb|pixabay.com

Die Politik hat uns ganz nebenbei und unbemerkt ein ziemliches Ei gelegt, was das Thema gesunde Ernährung betrifft. Ich befürchte, dass dies ganz besonders unsere Kinder treffen und diesen das Leben schwer machen wird.

Was ist überhaupt Isoglukose?

Das Thema ist sehr komplex und ich möchte nur die wichtigsten Eckpunkte erläutern, damit Ihr versteht, dass es hier nicht um Schaumschlägerei und Panikmache geht, sondern Ihr tatsächlich bewusst darauf achten müsst, was ihr für Euch und Eure Familien einkauft. Das war schon immer so, wird aber mit Beginn diesen Monats noch wichtiger!

Es geht um das Thema Zucker bzw. genauer um das Thema Süßungsmittel. In den USA ist das Süßungsmittel Isoglukose unter dem Namen „High Fructose Corn Syrup oder HFCS“ bekannt. Dieser Sirup wird hauptsächlich in der industriellen Lebensmittelproduktion verwendet, da er sich rund ums Jahr produzieren lässt, deutlich billiger in der Herstellung sowie einfacher zu transportieren ist und sich besser weiterverarbeiten lässt als kristalliner Zucker.

Gewonnen wird Isoglukose hauptsächlich aus Mais. Die Maisstärke wird dabei mittels Enzymen umgewandelt und es entsteht ein Zuckersirup, der einen variablen Fruktose-Anteil besitzen kann. In den USA ist am gebräuchlichsten der HFCS-55 mit 55 Prozent Fruktose. Die zweithäufigste Variante ist der HFCS-42, der 42 Prozent Fruktose enthält.

Da bestimmte Regulierungen des europäischen Zuckermarkts zum Oktober 2017 gelockert wurden und aufgrund der Freihandelsabkommen Isoglukose nun auch aus Amerika nach Europa exportiert werden darf, müssen wir damit rechnen, dass Isoglukose bald auch verstärkt von europäischen Lebensmittelherstellern verwendet wird. Denn in Europa war lange die Verwendung von Isoglukose in der EU-Zuckermarktverordnung auf fünf Prozent des Zuckerverbrauchs beschränkt. Im September 2017 ist diese Quotenregelung ausgelaufen und es wird mit einem Marktzuwachs für Isoglukose gerechnet. Die EU-Kommission erwartet einen Anstieg des Anteils am europäischen Markt für Süßungsmittel auf etwa zehn Prozent.

Schaut doch beim nächsten Einkauf im Supermarkt einmal auf die Zutatenlisten bei Eis, Keksen oder Softdrinks und ihr werdet erschrecken!

Was ist beim Einkaufen zu beachten?

Isoglukose wird ausschließlich in industriell verarbeiteten Produkten eingesetzt. Ich selbst kaufe bewusst schon seit Ewigkeiten keine Fertiggerichte mehr. Nur – und damit sind wir beim Thema Kinder angekommen – kaufe ich natürlich zwischendurch einmal Dinge, die ich gar nicht in die Kategorie “Fertiggerichte” einordnen würde: z.B. Kekse für die Kinder oder Eis. Manchmal einen Joghurt oder Pudding. Wenn Oma und Opa zu Besuch sind dürfen meine Kinder auch mal mit Opa ein Malzbier trinken oder von seiner Cola probieren. Und natürlich gibt es ab und zu auch einmal Ketchup. In Summe doch eine ganze Menge an Berührungspunkten mit diesem herrlich ungesunden Süßungsmittel.

Hinter diesen Bezeichnungen verbirgt sich Isoglukose:

Einsatz in Softdrinks
  • Maissirup
  • High Fructose Corn Syrup
  • Glukose-Fruktose-Sirup
  • Fruktose-Glukose Sirup

Einsatz von Isoglukose:

  • Softdrinks
  • Backwaren
  • Milchprodukten
  • Süßigkeiten
  • anderen verarbeiteten Lenbensmitteln

Warum ist Isoglukose kritisch zu sehen?

Normaler Haushaltszucker enthält zwar ähnliche Anteile an Fruktose (50 Prozent Fruktose) wie die gebräuchlichste Form der Isoglukose und ist damit aus gesundheitlicher Sicht ähnlich kritisch zu sehen. Die große Gefahr liegt vor allem in der Zuckermarktliberalisierung und den damit sinkenden Preisen für Zucker, was die Attraktivität für die Hersteller erhöht, auf diese ungesunden Lebensmittel zu setzen und stärker in deren Vermarktung zu investieren. Es fehlen meiner Meinung nach die Anreize für die Industrie auf gesunde, ausgewogene Lebensmittel zu setzen, bei denen der Profit deutlich geringer ausfällt.

Es gibt aber auch genügend Kritiker, die befürchten, dass am Ende durch den Gebrauch von Isoglukose mit höheren Fruktoseanteilen deutlich mehr Fruktose zugeführt wird wie über den „normalem“ Haushaltszucker. Die Fruktose ist für Folgeerkrankungen das größere Problem! Denn Fruktose wird in unserem Körper völlig anders verstoffwechselt als Glukose, nämlich in der Leber, ohne den Einsatz von Insulin – was bei einem „zu viel“ aber zu so unschönen Dingen wie einer Fettleber führen kann. Zuvor zu Fettansammlungen, insbesondere im Bauchbereich, rund um die Organe. Sogenanntes Visceralfett. Und das gilt es zu verhindern. Denn zum einen wollen wir sicherlich schon aus optischen Gründen nicht, dass unsere Kinder (und wir selbst) mit einem dicken Speckbauch durchs Leben gehen. Noch viel Schlimmer ist aber, dass dieses Visceralfett uns langfristig krank macht und das sogenannte metabolische Syndrom auslösen kann, das Zusammenkommen von Fettleibigkeit, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten sowie einer Insulinrestistenz (Diabetes Typ II).

Es fehlen die Anreize für die Industrie auf gesunde und ausgewogene Lebensmittel zu setzen statt auf #Zucker. #gernegesund Klick um zu Tweeten

 

Bedeutung von Fruktose in unseren Urzeiten

Ganz früher, als wir noch keine Vorratshaltung, geschweige denn Kühlschränke hatten, da hatte dieser Mechanismus, Fruktose (Fruchtzucker) schnell in Form von Körperfett abzuspeichern, tatsächlich einen sehr sinnvollen Nutzen. Denn Fruktose gab es damals nur für kurze Zeit in Hülle und Fülle. Unsere Vorfahren haben dann, wie die Tiere es auch machen, vor dem Winter das gegessen was eben da war und der Körper hat schlauerweise die Fruktose direkt genutzt, um sich ein Pölsterchen für den Winter zuzulegen – für die karge Zeit, in der man teilweise ganz ohne Obst und Gemüse auskommen musste und Nahrung knapp war.

Diesen Zustand kennen wir allerdings heute nicht mehr. Nahrung gibt es Gott sei Dank immer, leider jedoch meist mit einem Zuckeranteil, auf den unser Stoffwechsel so nicht eingestellt ist und den er langfristig nicht verarbeiten und tolerieren kann. Gerade deshalb ist es so wichtig, wenn wir einmal etwas naschen wollen, nicht auch noch auf Süßungsmittel zurückzugreifen, die uns besonders schnell dick werden lassen – nur weil es für die Hersteller so schön günstig und praktisch ist!

 

Erfahrungen, die andere Länder bereits gemacht haben

Die Amerikaner haben nicht umsonst den Einsatz von Isoglucose mittlerweile wieder eingeschränkt (und das sowohl durch gesetzliche Maßnahmen als auch durch individuelle Kaufentscheidungen der Konsumenten)– denn was passiert, wenn man so unbedarft mit diesem Thema umgeht, ist dort mittlerweile überall zu sehen und zu spüren. Warum Europa aus diesem Beispiel nichts lernt und uns durch die Hintertüre ganz still und heimlich diesen gefährlichen Zucker „unterjubelt“ ist für mich völlig unverständlich. Es kann doch nicht gewollt sein, dass wir hier in Europa dem amerikanischen Vorbild in Sachen Übergewicht folgen wollen?! Unsere Krankenkassen sind schon jetzt völlig überfordert – wer soll das bezahlen? Und wer möchte so leben? Ich möchte es nicht. Und meinen Kindern möchte ich das definitiv auch nicht zumuten.