NDR-Markt: “Angst vor Erkältung: Wie beraten Apotheken?”

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Angst vor Erkältung
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Eine Erkältung kann sicherlich niemand brauchen. Die Sendung Markt vom NDR hat dies zum Anlass genommen, die Beratungsleistung der deutschen Apotheken unter die Lupe zu nehmen. Markt kommt zu einem vernichtenden Urteil, die Apotheken nutzen größten Teils die Sorge der Menschen aus, um ein schnelles Geschäft zu erwirtschaften und das ohne Rücksicht auf die Patienten.

Arzneimittel dienen nicht der Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Erkältung sind Arzneimittel absolut unangebracht, hier stimme ich Markt uneingeschränkt zu. Die Apotheke, die in diesem konkreten Beispiel entsprechend beraten hat, hat meiner Meinung nach keine gute Figur abgegeben, da die Mitarbeiterin ganz offensichtlich schlecht geschult war. Das ist ärgerlich, darf aber sicherlich nicht auf eine gesamte Branche übertragen werden.

In diesem Video hatte ich bereits die besten Tipps gegen eine Erkältung ausgearbeitet, um möglichst gesund durch die nasskalte Jahreszeit zu kommen. Diese Tipps sind größten Teils mit den abschließenden Ratschlägen der Markt-Reaktion identisch. Laut Markt gehört ebenfalls eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu den nennenswerten Tipps. Nahrungsergänzungsmittel werden aber prinzipiell als ungeeignet eingestuft. Jedoch ist die Argumentation eher dürftig, denn mit einer guten ausgewogenen Nahrungsergänzung aktiviert man nicht unspezifisch das Immunsystem, wie mehrfach in dem Beitrag erwähnt, sondern sorgt dafür, dass unserem Körper alle notwendigen Bausteine zur Verfügung stehen, die unsere etwa 70 Billionen Zellen für Ihre Arbeit benötigen, natürlich auch unsere Immunzellen.

Die gebetsmühlenartige gesunde Ernährung

Diese Denke unterstreicht leider wieder einmal die Einstellung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und einigen anderen regierungsnahen Institutionen, die gebetsmühlenartig betonen, dass wir über eine gesunde und ausgewogene Ernährung alle wichtigen Bausteine, wie Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, erhalten. Dieser Satz ist auch in dem Beitrag von Professor Gerd Glaeske wieder ausgesprochen worden. Im Grundsatz ist das ja richtig, eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist das Beste für unseren Körper.

Leider wird dabei immer wieder übersehen, dass dies ziemlich an der Realität vorbeigeht. Der Großteil der Bevölkerung ernährt sich nunmal nicht gesund und ausgewogen. Zum einen, weil sie es in ihren Alltag nicht integriert bekommen, zum anderen, weil sie es vielleicht auch nicht besser wissen oder auch den permanenten Versuchungen, die an jeder Straßenecke lauern, nicht widerstehen können. Jedenfalls kommen auch die von der Bundesregierung beauftragten Ernährungsreporte und Verzehrsstudien zu dem Ergebnis, dass es mit unserer Ernährung nicht ganz so rosig bestellt ist, wie man sich das vorstellt.

Ergebnisse von aktuellen Studien

  • Die DGE-Empfehlung für den täglichen Gemüseverzehr unterschreiten 87,4 Prozent.
  • Die DGE-Empfehlung für den täglichen Obstverzehr unterschreiten 59 Prozent.
  • In den letzten 4 Wochen hatte gerade einmal 16 Prozent der Befragten Fisch bzw. Fischgerichte konsumiert.

Gerade in der dunklen Jahreszeit ist es enorm wichtig, seinen Vitamin-D-Bedarf über eine gute Nahrungsergänzung zu decken. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung hat zu niedrige Vitamin-D-Spiegel. Ein Vitamin-D-Mangel kann die Anfälligkeit für Erkältungen begünstigen und Experten führen die regelmäßige Anhäufung von Erkältungserkrankungen in den Monaten Januar und Februar auf ein Vitamin-D-Defizit zurück. Auch der sogenannte Winter-Blues, Stimmungsschwankungen bis hin zur Depression, können durch ein Vitamin-D-Defizit ausgelöst werden.

Darüberhinaus ist eine sinnvolle Kombination von unterschiedlichen Mikronährstoffen durchaus sinnvoll, deutlich sinnvoller als die Verwendung von Einzelsubstanzen, wie reines Zink oder Vitamin C, da diese Stoffe in der Natur auch nicht isoliert vorkommen.

Was bezwecken die Medien mit diesen Tests?

Die Durchführung von solchen Tests ist definitiv nicht neu und betrifft viele Branchen. Für die Medien sind sie sicherlich ein aufmerksamkeitsstarkes Thema. Allerdings habe ich noch nie bewusst wahrgenommen, dass einmal eine Branche auffallend gut abgeschnitten hätte. Positive Nachrichten verkaufen sich leider in der Regel schlechter. Denn am Ende des Tages leben auch die Medien davon, dass ihre Berichte gesehen oder gelesen werden.

Ich frage mich, welcher Zweck steckt hinter diesen Tests? Kamm man nach dem Einkauf in 10 Apotheken tatsächlich eine allgemein gültige Aussage treffen und gegen eine ganze Branche wettern? Wer entscheidet eigentlich, welches Ergebnis tatsächlich das richtige ist? Alleine beim Thema Nahrungsergänzungsmittel gibt es unter den Experten ganz unterschiedliche Ansichten und keine Klarheit über richtig und falsch. Wer entscheidet, bis zu welchem Betrag eine Empfehlung zur Vorbeugung einer Erkältung seinen Preis wert ist und ab wann öffentlich von Abzocke gesprochen werden kann?

Ich halte es für vollkommen richtig, dass die Beratungsleistung von Apotheken geprüft wird, um eine möglichst hohe Qualität zu erzielen. Die Apothekerkammern führen solche Tests regelmäßig und unangekündigt mittels anonymer Testkäufer durch. Die Ergebnisse werden protokolliert, mit dem Inhaber besprochen und bei Verstößen werden auch entsprechende Maßnahmen eingeleitet.