Schilddrüsenunterfunktion – eine Volkskrankheit

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Anatomie Schilddrüsenunterfunktion
Kateryna Kon|shutterstock.com

In Deutschland sind heute etwa 50% der Bevölkerung von einer Schilddrüsenerkrankung betroffen. Die häufigste Form ist dabei sicherlich die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Welchen Ursprung dieses Krankheitsbild hat und welchen Einfluss Ihr auf die Gesundheit Eurer Schilddrüse nehmen könnt, lest Ihr in diesem Beitrag.

Die Schilddrüse – ein Überblick

Der wissenschaftliche Name der Schilddrüse lautet Glandula thyreoidea. Sie steuert wichtige Prozesse Eures Körpers. Darunter fällt die Speicherung von Jod und die daraus synthetisierten Hormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Die Produktion der Schilddrüsenhormone wird über das Hormon TSH (Thyreoidea-stimulierendes-Hormon) gesteuert. Dieses Hormon wird in einer kleinen Region unseres Gehirns gebildet, der Hirnanhangsdrüse oder auch Hypophyse genannt.

Die Schilddrüsenhormone regulieren unter anderem den Energie- und Zellstoffwechsel. Genauer gesagt, helfen sie Euren Zellen beim Wachsen und nehmen Einfluss auf die Verarbeitung von Zucker und Fettsäuren. Darüber hinaus steuern sie aber auch vielfältige Funktionen, wie Herz und Kreislauf, Magen und Darm sowie Nerven und Muskeln.

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Unsere Schilddrüse hat aber noch weitere Aufgaben. In ihr wird auch das sogenannte Calcitonin gebildet. Dieses Peptidhormon hilft unserem Körper, den Calcium- und Phosphat-Haushalt zu regulieren, indem es den Calciumspiegel durch Ausscheidung über die Nieren senkt und die Aktivität der Osteoblasten – also der knochenabbauenden Zellen – hemmt, sodass weniger Calcium in unserem Blut anfällt. Das Hormon, welches der direkte Gegenspieler zum Calcitonin ist, nennt man Parathormon, welches in der Nebenschilddrüse gebildet wird und genau die gegenteiligen Effekte auslöst. Die Ausschüttung der beiden Hormone wird von der Konzentration an Calcium in Eurem Blut beeinflusst.

Unterfunktion der Schilddrüse – Hypothyreose

Bei vielen Menschen kann eine Schilddrüsenunterfunktion auftreten. Die Medizin ist heutzutage jedoch so weit, dass diese relativ unkompliziert behandelt werden kann. Die fehlenden Hormone werden durch Medikamente ersetzt, welche das Hormon L-Thyroxin, also eine bestimmte Form des von der Schilddrüse selbst gebildeten Thyroxins, beinhalten. Dies geschieht auch häufig in der Kombination mit Jod, welches die Schilddrüse sozusagen noch ein wenig bei ihrer Arbeit unterstützt. Bei der medikamentösen Einstellung der Schilddrüse kann es anfangs aber durchaus zu Beeinflussungen kommen, hierbei muss man sich Zeit lassen und im Dialog mit dem Arzt bleiben.

Für das Auftreten der Schilddrüsenunterfunktion kann es verschiedene Gründe geben. Medizinisch werden folgende Formen unterschieden:

  1. primäre Unterfunktion – die Ursache liegt in der Schilddrüse gegeben. Dies kann einerseits eine angeborene oder aber eine über die Jahre erworbene Unterfunktion sein.
  2. sekündäre Unterfunktion – die Ursache liegt hier in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse)
  3. Theoretisch gibt es auch noch eine tertiäre Unterfunktion, diese ist jedoch sehr selten.

Auslöser können sein:

  • Genetische Veranlagung: diese ist im Vergleich aber ein eher seltener Auslöser.
  • Medikamentöse Therapie: bei der Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreodismus), kann es passieren, dass die Schilddrüse durch die Therapie so stark unterdrückt wird, dass dadurch eine Unterfunktion resultiert. Dies tritt aber auch eher seltener auf.
  • Chronische Erkrankungen: am häufigsten wird die Schilddrüsenunterfunktion durch Autoimmunerkrankungen ausgelöst. Hierbei richtet sich Euer Immunsystem aus meist unbekannten Gründen gegen Eure Schilddrüse und bekämpft dort die Zellen, welche für die Synthese der Hormone zuständig sind. Hier sei die häufigste Form, namens Morbus Hashimoto erwähnt.
  • Traumata: wird die Schilddrüse durch einen Unfall verletzt, kann eine Unterfunktion die Folge sein.
  • Schilddrüsenkrebs: meist sorgt das sogenannte Schilddrüsenkarzinom für eine Überfunktion der Schilddrüse. Geht dabei aber Schilddrüsengewebe unter oder das Geschwür wird operativ entfernt, so bleibt die Schilddrüse beeinträchtigt.
  • Gestörte Synthese von TSH in der Hypophyse, z.B. durch einen Tumor der Hypophyse 

Welche Symptome können auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen?

Da die Schilddrüse einige Funktionen Eures Körpers beeinflusst, zeigen sich die Symptome ebenfalls vielseitig:

  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Gewichtszunahme
  • Kälteempfindlichkeit
  • Gedächtnisprobleme
  • trockene und juckende Haut, rissige Fingernägel, spröde Haare bis hin zu Haarausfall
  • Muskelkrämpfe in Ruhesituationen
  • Kreislaufprobleme
  • Verdauungsstörungen, insbesondere chronische Verstopfung
  • vermehrtes Schwitzen
  • Knotenbildung (gutartige Geschwüre, auch „kalte Knoten“ genannt, welche aus inaktivem Schilddrüsengewebe bestehen)
  • Kropf (Vergrößerung der Schilddrüse, zeigt sich durch Schwellung am Hals), welcher aber eher bei einer Überfunktion auftritt
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Wie erkennt Ihr eine Schilddrüsenunterfunktion?

Es ist bitte nicht gleich Verunsicherung angesagt, wenn Ihr eines der genannten Symptome bei Euch beobachtet. Erst bei länger anhaltenden Problemen oder mehreren Symptomen solltet Ihr über einen Arztbesuch nachdenken. Nur dieser hat die Möglichkeit andere Erkrankungen auszuschließen und die Unterfunktion richtig zu diagnostizieren. Meist wird Eure Schilddrüse erst einmal abgetastet, um Unregelmäßigkeiten zu erkennen. Dazu nutzt der Arzt aber auch die Ultraschalluntersuchung. Außerdem lässt sich eine Unterfunktion durch eine Blutentnahme ermitteln. Eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung ist ab 40 Jahren empfohlen, wird aber von den Krankenkassen häufig nicht übernommen, wenn keine medizinische Notwendigkeit besteht.

Aber nicht nur die TSH-Konzentration gibt Aufschluss auf ein Schilddrüsenleiden. Die Messung des Calcitonin-Spiegels wird hinzugezogen, um eine Krebserkrankung auszuschließen. Die äußert sich, neben dem Kropf und anderer Symptome, nämlich meist durch eine Überfunktion und die vermehrte Ausschüttung von Calcitonin.

Die Sache mit dem Jod

Ihr fragt Euch sicherlich, ob es möglich ist, Eurer Schilddrüse etwas unter die Arme zu greifen und sie gerade im Alter vor Problemen zu bewahren. Dazu sei gesagt, dass dies eigentlich nur mit einer gesunden Lebensweise funktioniert. Eine Sache wird dabei häufig angesprochen, der Mineralstoff Jod. Dieses essentielle Spurenelement, aus dem die Schilddrüse die beiden Schilddrüsenhormone bildet, kommt in einigen Nahrungsmitteln vor und sorgt bei ausreichender Zufuhr dafür, dass Eure Schilddrüse optimal funktionieren kann. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat für die tägliche Zufuhr Richtwerte verfasst. Demnach liegt der Tagesbedarf eines Erwachsenen bei etwa 200µg pro Tag. Schwangere und stillende Mütter benötigen etwas mehr Jod am Tag. Die folgenden Nahrungsmittel sorgen, bei einer ausgewogenen Ernährung, für eine ausreichende Zufuhr:

  1. Milchprodukte
  2. Seefisch
  3. Nüsse und Hülsenfrüchte
  4. Getreideprodukte, besonders Brot, welches mit Jodsalz gebacken wurde
  5. jodiertes Speisesalz: hierbei ist es jedoch so, dass Ihr alleine mit dem Salz keine ausreichende Deckung erzielen könnt, da Ihr dafür zu viel Salz zu Euch nehmen müsstet und dies wäre wiederum ungesund.

Eine Substitution mit Jod aus der Apotheke ist in der Regel nicht erforderlich. Dazu gibt es zwar Tabletten, welche 100µg oder 200µg enthalten, aber diese sind eher dafür geeignet, einen diagnostizierten Jodmangel auszugleichen oder bei einer Schilddrüsenunterfunktion als Ergänzung eingesetzt zu werden. Wer seine Ernährung mit Mikronährstoffen ergänzen möchte, kann dafür speziell zugeschnittene Präparate mit vielseitigen Funktionen einsetzen, wahlweise mit oder ohne Jod.

Eine ausgewogene gesunde #Ernährung und die damit verbundene Mikronähstoffversorgung ist auch für unsere #Schilddrüse immens wichtig. #gernegesund Klick um zu Tweeten

In den Medien wurde des Öfteren kritisiert, dass die Bevölkerung angeblich mit Jod überversorgt wird. Dabei wurde besonders der Pharmaindustrie, den Salzherstellern und der Arbeitsgemeinschaft Jodmangel vorgeworfen, Panik zu schüren, um Umsätze zu steigern. Die deutsche Gesellschaft für Endokrinologie lieferte dazu eine Gegendarstellung und warf den Medien wiederum eine tendenziöse Berichterstattung vor. Ihr seht also, das Thema beschäftigt unsere Gesellschaft schon eine gewisse Zeit. Früher galt Deutschland tatsächlich als Jodmangelgebiet, da unsere Böden relativ arm an Jod sind. Aus einem Artikel der deutschen Ärztezeitung ist zu entnehmen, dass die WHO in bestimmten Teilen Europas weiterhin einen Jodmangel erkennt, und deshalb eine bessere Überwachung empfiehlt.

Durch die zunehmende Globalisierung und die damit verbundenen Möglichkeiten, das Nahrungsmittelpensum deutlich zu erweitern, kann man heutzutage jedoch auf ausreichend jodhaltige Nahrungsmittel zurückreifen.

Neben dem Mineralstoff Jod ist aber auch eine Vielzahl anderer Mikronährstoffe für eine intakte Schilddrüse mitverantwortlich, wie Vitamin D, Selen, Coenzym Q10. Eine ausgewogene Ernährung spielt eine große Rolle für die Gesunderhaltung unseres Körpers.  Zunehmende Umwelteinflüsse aber auch die zunehmende Versorgung mit stark industriell verarbeiteten Lebensmitteln können Auslöser dafür sein, dass gerade die Schilddrüsenerkrankungen aufgrund von Fehlfunktionen unseres Immunsystems in den letzten Jahren stärker auftreten.