Gewichtszunahme durch Medikamente 

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Gewichtszunahme durch Medikamente 
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Die Gewichtszunahme durch eine medikamentöse Therapie gehört zu einer möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkung (UAW). Aber bevor Ihr nun auf einfache Kopfschmerztabletten oder Hustensäfte verzichtet, kann ich Euch beruhigen. Die darin häufiger enthaltenen Zucker schlagen nicht zu Buche. Um welche Medikamente es geht und worauf Ihr achten müsst, wenn Ihr betroffen seid, erkläre ich Euch in diesem Artikel. 

Dickmachende Mechanismen

Arzneimittel können durch unterschiedliche Mechanismen Einfluss auf unser Gewicht nehmen.

  1. Appetitsteigerung. Einige Arzneistoffe steigern unseren Appetit und dadurch führen wir uns mehr Essen und somit Kalorien zu.
  2. Mundtrockenheit. Ein trockener Mund signalisiert uns Durst und diesen stillen wir leider vielfach auch mit gesüßten Getränken, wie Softdrinks. Auch dies führt zu einer erhöhten Kalorienaufnahme.
  3. Wassereinlagerungen. Einige Arzneistoffe können zu Wassereinlagerungen in unseren Geweben führen. Diese Ödembildung lässt unser Gewicht in die Höhe gehen.
  4. Direkte Wirkung auf den Energiestoffwechsel. Wenn der Energiestoffwechsel durch Arzneimittel gestört wird, kann dies ebenfalls zu einer Gewichtszunahme führen.

Psychopharmaka und Ihre Wirkung auf das Gewicht

Am häufigsten geht es hierbei um Arzneistoffe, die zu den Neuroleptika oder auch Antipsychotika gehören. Diese werden hauptsächlich gegen Schizophrenie oder manische Störungen eingesetzt und zählen somit zu den Psychopharmaka. Sie besitzen eine beruhigende Wirkung und helfen gegen den Realitätsverlust, an dem schizophrene Patienten leiden. 

Nun kann es durch die dämpfende Wirkung dazu kommen, dass Patienten, welche mit diesen Medikamenten behandelt werden, nicht ausreichend körperlich aktiv sind. Dies wiederum hat Einfluss auf die Energiebilanz. Wenn die Ernährung dann unverändert bleibt und die Patienten zu viele Kalorien einnehmen, ist die Gewichtszunahme vorprogrammiert. 

Einen weiteren Einfluss haben diese Arzneistoffe auf die Regulation des Appetits. Häufig wird dieser angeregt. Was in Kombination mit mangelnder körperlicher Betätigung die Zunahme noch verstärkt. 

Auch Antidepressiva sind für ihren Einfluss auf das Körpergewicht bekannt. Es ist allgemein ein Zusammenhang zwischen Depressionen und auftretendem erhöhten Körpergewicht zu erkennen. Zum einen neigen depressive Menschen dazu, der negativen Gefühlslage durch Essen entgegenzuwirken, und hier gerade durch zuckerhaltiges Essen, da ein sogenannter “Kohlenhydrathunger” in der Grunderkrankung begründet liegt. Zum anderen steigern eine Reihe von Antidepressiva aber auch den Appetit. Einige dieser Arzneistoffe führen auch zu einer Mundtrockenheit.

Gerade bei psychischen Erkrankungen ist es immens wichtig, dass der Gewichtszunahme rechtzeitig entgegengewirkt wird, denn sie kann die Erkrankung weiter verschlimmern. Bei einer Zunahme von mehr als 5% des Körpergewichtes sollte auf jeden Fall der Kontakt zum behandelnden Arzt gesucht werden.

Die Gewichtszunahme sollte nicht über 5% des Körpergewichts liegen!

Ein Erwachsener von 70kg sollte nicht mehr als 3,5 kg durch eine Arzneimitteltherapie zunehmen. 

 

Ein Medikamentenverzicht ist keine Lösung!

Es wäre jedoch gesundheitlich gefährlich und auch medizinisch unsinnig, die Medikation einfach abzusetzen, da das Augenmerk auf der Grunderkrankung liegen sollte. Die Medikamente müssen regelmäßig eingenommen werden, um eine optimale Wirkung zu erzielen. Eine Pause oder abruptes Absetzen können gefährliche Folgen haben!  

Die Gewichtszunahme an sich ist erstmal keine lebensbedrohliche Nebenwirkung. Trotzdem kann zum einen die Therapietreue darunter leiden oder sich zum anderen eine psychische Erkrankung zuspitzen. Aus diesem Grund ist am ehesten angebracht, den Arzt dahingehend um eine Beratung zu bitten, wenn er dies nicht bereits von selber anbietet, denn diese Nebenwirkungen sind den Fachärzten in der Regel durchaus bekannt.

Auch in der Apotheke kann man sich über mögliche Nebenwirkungen und eine Gewichtszunahme informieren. Jedoch kann nur der Arzt in die verordnete Therapie eingreifen, falls dies erforderlich sein sollte.

Weitere Arzneimittel, die eine Gewichtszunahme begünstigen

Kortison kann den Appetit anregen, zu Wassereinlagerungen führen und gerade bei einer langfristigen Therapie auch zu einem verstärkten Abbau der Muskulatur führen. Ein Muskelabbau hat eine negative Auswirkung auf unseren Energieumsatz, so dass unser Grundumsatz sinkt. Dies führt schnell zu einer Gewichtszunahme, wenn wir nicht durch unsere Ernährung gegensteuern.

Unsere Schilddrüse ist für die Einstellung unseres Stoffwechsels zuständig. Eine Funktionsstörung und die Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten kann sowohl zu einer Gewichtszunahme als auch einer Gewichtsabnahme führen. Thyreostatika, die bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt werden, führen häufig zu einer Gewichtszunahme, da sie den Stoffwechsel dämpfen.

Blutdruckmedikamente, allen voran Betablocker, können unser Gewicht ebenfalls negativ beeinflussen. Sie reduzieren den Energiestoffwechsel und die behandelten Patienten sind gerade in der Anfangsphase der Therapie häufiger antriebslos und müde.

Was ist in Bezug auf die Pille zu sagen?

Noch vor Jahren war die Anti-Baby-Pille für das Risiko einer Gewichtszunahme bekannt. Heute werden deutlich niedrigere Hormondosierungen eingesetzt und Studien zeigen, dass diese Nebenwirkung eher selten vorkommt.

Die in der Pille eingesetzten Gestagene können den Appetit anregen. Die Östrogene können zu Wassereinlagerungen führen. Da diese Hormonkombinationen gelegentlich auch bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden, jedoch in höheren Konzentrationen, besteht hier ein höheres Risiko.

Welche Maßnahmen gibt es, um der Gewichtszunahme entgegenzuwirken? 

Es gibt einige Möglichkeiten, wie man der Zunahme entgegenwirken kann. Die wenigsten Schritte kann man jedoch auf eigene Faust einleiten. Eine ärztliche Rücksprache ist hier zu empfehlen.

  1. Einnahmezeit verändern: eine appetitanregende Nebenwirkung kann ggf. durch eine Verschiebung der Einnahme auf die Abendzeit abgeschwächt werden, da man den Effekt so eher “verschläft”. Dies sollte niemals auf eigene Faust geschehen!
  2. Bei Mundtrockenheit kann man mit zuckerfreien Bonbons oder befeuchtenden Lutschpastillen aus der Apotheke entgegenwirken und somit die übermäßige Energiezufuhr durch gesüßte Getränke verhindern.
  3. Ernährungsumstellung: schon bei der Verordnung eines risikobehafteten Arzneimittels macht es Sinn, wenn der Arzt über eine Ernährungsumstellung aufklärt und unterstützend Hilfe leistet. So können Probleme schon frühzeitig unterbunden werden.
  4. (Sportliche) Aktivität erhöhen. Auch hier kann der behandelnde Arzt Anreize setzen. Gerade bei depressiven Erkrankungen ist belegt, dass sportliche Aktivität einen positiven Einfluss auf die Grunderkrankung besitzt. Es ist zu empfehlen, die Aktivität von Tag zu Tag langsam zu steigern. Auch wenn man am Anfang nur mit wenigen Minuten anfängt, kann dies schnell zu einer wirklichen Bereicherung führen.
  5. Bei größeren Ödembildungen kann der behandelnde Arzt über eine Entwässerung nachdenken.
  6. Ein Medikamentenwechsel kann theoretisch ebenfalls eine Lösung sein. Hier wird der behandelnde Arzt den Therapieerfolg und die Auswirkungen der Nebenwirkungen abwägen.

Die Folgen des Übergewichtes 

Gerade bei ohnehin schon an Depressionen erkrankten Menschen, kann ein zusätzliches Übergewicht verständlicher Weise eine weitere Belastung und Stress darstellen. Langzeitfolge von Übergewicht kann die Begünstigung des sogenannten „metabolischen Syndroms“ sein. Das bedeutet, dass es irgendwann zu Zucker- und Lipidstoffwechselstörungen kommen und in Folge dessen ein Bluthochdruck entstehen kann. Dieser begünstigt, zusammen mit der Fettstoffwechselstörung, die Entstehung einer Atherosklerose. Alles in allem erhöht sich das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Daher ist es sehr wichtig, eine auftretende Gewichtszunahme ernst zu nehmen und mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.