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Haarausfall morgens beim Bürsten

Haarausfall – Was kannst Du tun?

Wer kennt das nicht, wir duschen uns und nach dem Abtrocknen finden sich unzählige Haare am Handtuch. Oder sie liegen nach der Haarwäsche in der Wanne und verstopfen nach und nach den Siphon. Schnell reift der Gedanke: „Habe ich etwa Haarausfall?!“

Dazu kann ich Euch erstmal beruhigen. Es ist ganz normal Haare zu verlieren, und zwar bis zu 100 Stück am Tag. Das gehört zum normalen Erneuerungsprozess unseres Körpers. Ähnlich, wie bei unseren Hautzellen, werden Haare ständig neu gebildet. Und nach dem Abtrocknen, fällt dies durch die höhere mechanische Beanspruchung besonders auf.

Was ist aber, wenn das Haarwachstum gestört ist und der Ausfallprozess vermehrt auftritt? Welche Ursachen kann dies haben und was kannst Du tun, wenn Du wirklich unter Haarausfall leidest?

Der Haarzyklus

Die Bildung des Haares läuft immer gleich ab. In unserer Haut existieren sogenannte Haarfollikel. Dort fängt das Haar an zu wachsen. Ihr könnt Euch das in etwa so vorstellen, wie einen Samen, den Ihr in ein Blumenbeet pflanzt.

Im Frühling keimt der Samen und der Trieb fängt über den Sommer an zu wachsen. Beim Haar nennt man dies die anagene Phase (Aufbauphase). Dann wechselt die Jahreszeit in den Herbst bzw. in die katagene Phase (Übergangsphase), in der das Haar in eine Art Ruhezustand versetzt wird. Im Winter, in dem die Pflanze dann schließlich abstirbt, durchläuft das Haar ebenfalls einen Sterbeprozess. Dieser wird die telogene Phase (Ausfallphase) genannt, in der das Haar vom Haarfollikel abgestoßen wird und schließlich ausfällt. Aber keine Sorge, das neue Haar darunter ist schon auf dem Weg an die Oberfläche.

Unsere Haare können bis zu 30 dieser Wachstumszyklen durchlaufen, bis schließlich auch der Haarfollikel seine Arbeit einstellt. Wie lange die einzelnen Phasen dauern und wie lang das Haar werden kann, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Anagenphase: 2 – 6 Jahre

Katagenphase: ca. 2 Wochen

Telogenphase: bis zu 3 Monate

 

Haarausfall: Die drei häufigsten Typen

Wird der Wachstumszyklus nun durch äußere oder innere Einflüsse gestört, verschiebt sich die einzelne Phasendauer zu Gunsten der Katagen- und Telogenphasen. Die Anagenphase wird dementsprechend verkürzt, so dass Haare viel kürzer wachsen und dazu noch viel schneller abgestoßen werden.

Erblich bedingter Haarausfall

Die am häufigsten vorkommende Art des Haarausfalls ist die sogenannte androgenetische Alopezie (der angeborene Haarausfall). Es geht dabei um eine erhöhte Sensibilität der Haarfollikel auf das Hormon Dihydrotestosteron (DHT). Auch wenn Ihr Euch jetzt denkt, dass es sich hierbei eher um ein „Männer-Problem“ handeln könnte, da das männliche Sexualhormon Testosteron involviert ist, so muss ich Euch sagen, dass auch Frauen häufig an der androgenetischen Alopezie leiden, da sie ebenfalls Testosteron besitzen und der Stoffwechselprozess derselbe ist. Männer leiden nur etwas häufiger darunter.

Aber was passiert genau?

Testosteron wird durch ein Enzym, die sogenannte 5alpha-Reduktase, in Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. Dieser Stoffwechselvorgang kann gestört sein, so dass die Enzymaktivität gesteigert ist und DHT vermehrt gebildet wird. Oder aber der Haarfollikel reagiert, wie oben erwähnt, sehr empfindlich auf das Hormon DHT. In beiden Fällen liegt ein erhöhter Einfluss von DHT an den Haarfollikeln vor.

Die Folge ist eine zu schnell eingeleitete katagene Phase. Bei Männern äußert sich diese Art des Haarausfalls hauptsächlich an der Tonsur oder im Stirnbereich als Geheimratsecken. Frauen verlieren die Haare eher im Bereich des Scheitels. Seltsamerweise sind die Haarfollikel in der Schläfengegend und am Hinterkopf resistenter gegenüber DHT.

Was kannst Du bei Haarausfall tun?

In der Medizin hat man Wege gefunden, die Enzymaktivität zu reduzieren. Dies geschieht  durch die Blockade der 5alpha-Reduktase, z.B. mit 5alpha-Reduktasehemmern.

Mit dem Einsatz der hormonähnlichen Substanz 17a-Estradiol oder auch Alfatradiol genannt als äußerlich anzuwendendes Haartonikum wurden bisher sehr gute Erfolge erzielt. Der Wirkstoff selbst besitzt keine eigene Hormonwirkung und setzt sich in das Enzym. Dieses kann Testosteron dann nicht mehr aufnehmen und die Umwandlung zu DHT wird verhindert. Der oben gennanten Ursache wird somit entgegengewirkt.

Ein weiterer Wirkstoff, der ebenfalls als Haartonikum oder auch Haarschaum eingesetzt wird, ist Minoxidil. Dieser Arzneistoff wurde ursprünglich gegen Bluthochdruck entwickelt. Wissenschaftler wissen bis heute nicht genau, wie die Wirkung auf den Haarfollikel zustande kommt. Der Wirkstoff bewirkt aber nachweislich eine Verlängerung der Anagenphase.

Diese beiden Möglichkeiten lassen sich im Rahmen der Selbstmedikation verwenden.

Daneben gibt es für Männer aber auch ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, welches ebenfalls die 5alpha-Reduktase hemmt und das innerlich als Tablette anzuwenden ist. Der Arzneistoff Finansterid wurde ursprünglich nur bei der gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie / BPH) eingesetzt. Bei der BPH spielt das Enzym ebenfalls eine entscheidende Rolle für das Krankheitsgeschehen. Unter bestimmten Voraussetzungen wird dieses Medikament vom Arzt auch gegen Haarausfall verschrieben, wobei es sich hierbei in der Regel nicht um eine Leistung handelt, die zulasten der Krankenkasse verordnet werden kann.

Schwere Verlaufsformen des erblich bedingten Haarausfalls bei Frauen können ebenfalls mit verschreibungspflichtigen Wirkstoffen behandelt werden. Hierbei handelt es sich um Hormonpräparate. Ähnlich dem Alfatradiol, kann auch die hormonell aktive Form des Estrogens äußerlich als Tinktur auf die Kopfhaut aufgebracht werden. Des Weiteren wirken sich hormonelle Kontrazeptiva mit antiandrogener Komponente positiv auf den Haarausfall aus. Diese beiden Methoden sind aber vorher mit dem Arzt abzuklären, da sie, im Gegensatz zu den Möglichkeiten in der Selbstmedikation, nicht als nebenwirkungsarm betrachtet werden können.

Bei #Haarausfall spielt die Hemmung des Enzyms 5alpha-Reduktase eine große Rolle, welches in den #Testosteron-Haushalt einwirkt. Was kann ich gegen Haarausfall tun? #gernegesund #Gesundheit Klick um zu TweetenKreisrunder Haarausfall

Unter kreisrundem Haarausfall, oder auch Alopecia areata, versteht man den vollständigen Verlust der Haare in einem oder mehreren kleinen Bereichen des Haupthaares oder dem Bart. Hier sind auch beide Geschlechter betroffen. Zurückzuführen ist dies meist auf eine überschießende Immunreaktion, die gegen den Haarfollikel gerichtet ist.

In der Regel verläuft die Sache unproblematisch und endet so abrupt, wie sie begonnen hat. Es besteht jedoch unterstützend die Möglichkeit, eine Cortison-Creme aufzutragen. In ganz schweren Fällen, bei denen es eine Vielzahl kahler Stellen gibt, kann durch einen Arzt eine orale Glucocorticoid-Therapie in Erwägung gezogen werden.

Auch der Einsatz von Zink-Präparaten ist als sinnvoll zu erachten. Zink ist zum einen ein wichtiger Mineralstoff für die Haare, zum anderen hat es einen positiven Einfluss auf das Immunsystem und kann die Symptomatik so etwas lindern.

Diffuser Haarausfall

Die dritte Art wird als diffuser Haarausfall bezeichnet. Wie der Name schon vermuten lässt, fallen die Haare verteilt über den ganzen Kopfbereich aus. Die Ursachen sind vielseitig. Hormonelle Schwankungen (Wechseljahre), oxidativer Stress (Sonne, Medikamente), chronische Erkrankungen (Stoffwechselerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion) und Nährstoffmangel werden häufig als Gründe genannt. Hier macht es meistens Sinn, einen möglichen Mangel mit Mikronährstoffen auszugleichen.

Es gibt natürlich noch eine große Zahl anderer Haarausfall-Arten, welche aber speziell auf eine Ursache zurückzuführen sind. Hierbei kann man als bekanntestes Beispiel den Haarverlust bei Chemo- oder Strahlentherapien aufzeigen. Oder eine Infektion sorgt für den Verlust der Haare. Manchmal ist es auch einfach nur das Alter, denn wie wir oben ja erfahren haben, besitzt jeder Follikel nur eine begrenzte Anzahl an Lebenszyklen und ist er einmal abgestorben, lässt sich das Haar nur noch transplantieren.

Behandlung und Unterstützung durch Supplemente

Abschließend beschreibe ich noch einige Mikronährstoffe, welche bei Haarverlust Verwendung finden. Dabei ist es unerheblich, welche der drei oben genannte Arten behandelt werden sollen. Eine Nährstoffaufnahme, sofern ein Mangel besteht, ist generell als sinnvoll zu betrachten, um nicht nur den Haarausfall zu verringern, sondern auch die Haarsubstanz zu stärken.

  • Zink (essentielles Spurenelement / Enzymbestandteil / an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt)
  • Selen (essentielles Spurenelement / Enzymbestandteil / Radikalfänger)
  • Folsäure („Vitamin B9“ / essentiell für Zellstoffwechsel und -reifung / an DNA-Synthese beteiligt)
  • Biotin („Vitamin B7“ / an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt)
  • Eisen (essentielles Spurenelement / wichtig für Blutbildung / Enzymbestandteil / wichtige Rolle im Zellstoffwechsel)
  • Pantothensäure („Vitamin B5“ wichtig für Zellstoffwechsel)
  • Cystin (Aminosäure / wichtiger Baustein der Haarsubstanz Keratin)
  • Keratin (Faserprotein / Hornsubstanz → Struktur der Fingernägel und Haare)

Zusätzlich werden in Drogerien und den Supermärkten auch Shampoos angeboten, welche Koffein enthalten. Dieses soll belebend auf die Haarwurzel bzw. den Haarfollikel wirken und so das Wachstum stimulieren. Studien zu dieser Wirkweise konnten dies bisher jedoch nicht bestätigen. Es ist Euch überlassen, ob Ihr diese Mittelchen zur Unterstützung nutzen wollt. Sie scheinen jedenfalls maximal Eurem Geldbeutel zu schaden.

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Andreas Claßen

Über Andreas Claßen

Apotheker, Autor und Mitglied im Redaktionsteam von gerne gesund. Angestellter Apotheker in der MAXMO Apotheke im real Am Ellernbusch, Düren.

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