Hämorrhoiden: Alles, was es zum Tabuthema zu beachten gilt

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Art_Photo, shutterstock.com 745301548
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Tabuthema Hämorrhoiden: Jeder kennt sie, niemand spricht gerne darüber. Als Apotheker kann ich jedem versichern, von schmerzenden Hämorrhoiden sind sehr viel mehr Menschen betroffen, als darüber sprechen. Selbst wer Hilfe und Beratung in der Apotheke sucht, trägt Symptome zum Thema dort eher leise vor… Am liebsten hätte man schnell ein Produkt das wirkt, um ungesehen aus aus dem Geschäft zu verschwinden. Das Thema ist ja zurecht sehr privat. Weshalb ich hier in diesem Beitrag mal alles, was es über Hämorrhoiden zu beachten gilt, für euch zusammenfasse.

Das Video zum Beitrag hier öffnen und ansehen.

Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind das stark durchblutete Gewebe innerhalb des Schließmuskels. Vorstellen kann man sich das als ringförmigen Gesäßpolster. Diese Mechanik unterstützt die Verschlussfunktion der Darmöffnung, indem beim Stuhlgang das Blut aus dem Gewebe abfließt, sodass sich der Schließmuskel öffnen kann. Sobald der Stuhl vollständig abgegangen ist, strömt das Blut zurück in den Hämorrhidalpolster und der Muskel kann wieder fest schließen.

Wieso das jetzt? Die häufigsten Ursachen für Hämorrhoiden.

Hoher Druck durch zu starkes Pressen.

Verstopfung oder chronische Verstopfung.

Akuter Durchfall, häufiger oder chronischer Durchfall, z.B. Missbrauch von Abführmitteln.

Gestörter Blutfluss im Gewebe, z.B. bei Hormonumstellung in der Schwangerschaft oder häufiges, langes Sitzen, Übergewicht.

Vier Stadien von Hämorrhoiden

Medizinisch betrachtet, wird von vier Ausprägungsstufen gesprochen. Im ersten Stadium nehmen Betroffene Hämorrhoiden häufig noch gar nicht wahr. Eine leichte Vergrößerung im Gewebe wird in der Regel nur durch Zufallsbefund festgestellt. Im zweiten Stadium machen sich erste Symptome bemerkbar. Das Hämorrhoidalgewebe ist bereits soweit vergrößert, dass es sich beim Stuhlgang nach Außen stülpt. Nach dem Stuhlgang zieht es sich wieder in den Körper zurück. Klappt das nicht automatisch, lässt es sich durch äußere Manipulation (z.B. behutsames Drücken mit dem Finger) wieder hinter den Schließmuskel verfrachten. Wenn das nicht klappt, ist die dritte Stufe erreicht. Spätestens jetzt ist auch ein Arztbesuch ratsam.  Im vierten und letzten Stadium ist die schwerste Form der Ausprägung erreicht. Das Gewebe um die Hämorrhoide ist entzündet, schmerzt und vergrößert und lässt sich in diesem Zustand auch durch Manipulation nicht mehr zurückdrängen.

 

Blut im Stuhl

Häufig stellen Betroffene fest, dass Hämorrhoiden bluten. Das ist ganz normal, denn – wie schon gesagt – das Gewebe ist sehr stark durchblutet und die Schleimhaut an dieser Stelle dünn. Durch Druck, z.B. beim Stuhlgang, kann es zu feinen Rissen in der gedehnten Schleimhaut in diesem Bereich kommen. Wenn das passiert, bemerkt ihr helles Blut am Toilettenpapier. Obzwar das Thema Blut im Stuhl bei betroffenen Patienten Sinn macht, empfehle ich bei diesem Symptom immer das Gespräch mit einem Arzt, um alternative Krankheitsbilder mit Blut im Stuhl auszuschließen.

Typische Beschwerden bei Hämorrhoiden:

leichtes Ziehen bis starke Schmerzen

brennendes Gefühl

Jucken

nässender Analbereich

So werden Hämorrhoiden behandelt

Ihr nehmt euch ein Herz und wagt es zur Beratung in eure Apotheke. Gut gemacht! Für die Art der Therapie und eine gute Beratung sind eure Beschwerden ausschlaggebend. Wieso? Leider gibt es keine Präparate, die eine kombinierte Wirkung gegen alle Beschwerden bieten. So gibt es Produkte, die eher schmerzlindernd und juckreizstillend wirken. Oder solche, die bestens geeignet sind, um stark nässende Beschwerden zu behandeln. Natürlich lassen sich die Präparate untereinander kombinieren.

Werden Hämorrhoiden rein äußerlich mit Cremes, Salben, Zäpfchen und Sitzbädern behandelt, spricht man von einer Symptombehandlung. Das Ziel der Behandlung ist eine Verbesserung des Beschwerdebildes. Nicht angegangen werden auf diese Weise die Ursachen der Erkrankung. Für eine systemische Behandlung oder in schweren Fällen auch eine chirurgische Versorgung sollte man ebenfalls einen Arzt aufsuchen.

 

Wichtiger Hinweis zur Selbstbehandlung

Kommt es bei der beschriebenen Symptombehandlung innerhalb von zwei Wochen nicht zu einer deutlichen Besserung oder zum Abklingen der Beschwerden, ist ein Arztbesuch unumgänglich.

Salbe oder Zäpfchen – was wirkt besser?

Zäpfchen sitzen in der Regel zu tief im Darm, weil sie sich durch die Muskelbewegung noch weiter nach innen ziehen. Alternativ zu können Mullbinden mit dem Wirkstoff am Ort der Beschwerde platziert werden. Mit Hilfe von Applikatoren lassen sich Salben dorthin spritzen, wo der Wirkstoff hin soll.

Fazit: Tabuthema hin oder her – Hämorrhoiden-Therapie mit dem Arzt besprechen

Leichte H, die nicht bluten und sich von alleine wieder in den Körper zurückziehen, können vierzehn Tage lang auf eigene Faust mit dem passenden Salbenprodukt behandelt werden. Handelt es sich um eine Beschwerdebild der Stadien drei und vier, empfehle ich jedenfalls, Kontakt mit dem Arzt aufzunehmen, um Folgeschäden vorzubeugen.

 

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