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Volkskrankheit Nagelpilz: Was hilft und wann muss man zum Arzt?

Nagelpilz gehört mit zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland. Fast jeder Sechste Deutsche ist betroffen und nur die wenigsten gehen zum Arzt bzw. behandeln die weit verbreitete Erkrankung selbst. Jedoch heilt der Pilz nicht von alleine, also spontan ab. Deshalb das Wichtigste dazu in diesem Beitrag.

In der Regel wird Nagelpilz von Fadenpilzen, lateinisch Dermatophyten ausgelöst. Aber auch Schimmelpilze oder Hefepilze können Auslöser werden.

Ist die Pilzinfektion ansteckend?

Pilzerkrankungen sind grundsätzlich sehr ansteckend, weil sich die Pilzsporen nicht nur durch direkten Hautkontakt, sondern auch über den Luftweg weiter ausbreiten können. Eine Nagelpilzinfektion stellt für Betroffene selbst ein Risiko dar, weil sich der Pilz auf benachbarte Areale ausweiten kann. Weil Pilzsporen lange Zeit unbeschadet überdauern können, bis sie auf einen neuen Wirt treffen, ist das Anstecken von Familienmitgliedern bzw. Menschen in der Umgebung durchaus wahrscheinlich. Speziell dort, wo barfuß gelaufen wird, wie Schwimmbad oder Fitnessstudio. Wo es feucht ist und warm fühlen sich Pilze besonders wohl.

Risikogruppen für Nagelpilz

Obschon wirklich jeder von einer Nagelpilzinfektion betroffen sein kann, ist bei manchen Personengruppen eine Ansteckung wahrscheinlicher als bei anderen. Verhältnismäßig häufig von Nagelpilz betroffen sind Personen, die…

… oft zu enge Schuhe (High Heels) tragen und damit besonders viel Druck auf den Vorderfuß ausüben. Die gesunde Versorgung der Nägel wird durch verminderte Durchblutung gestört.

… regelmäßig Laufsport betreiben. Auch Laufen übt großen Druck auf den Vorfuß aus. Durch die Beanspruchung kann es zu kleinsten Verletzungen, so genannten Mikrorissen im Nagelmaterial kommen – ein idealer Raum zur Besiedelung für mikroskopisch kleine Pilzsporen.

… an Diabetes erkrankt sind. Diabetiker sind mitunter von verminderter Gefühlswahrnehmung in Fingern und Zehen betroffen. Der vom Nagelpilz ausgelöste Juckreiz wird von ihnen deshalb nicht oder sehr spät wahrgenommen, sodass der Pilz eine zeitlang unbemerkt sein Unwesen treiben kann. Deshalb ist bei Diabetikern eine regelmäßige Fußkontrolle enorm wichtig!

… fortgeschrittenes Alter erreicht haben und die Durchblutung des Körpers nicht mehr optimal funktioniert. Das schränkt die Funktion des Immunsystem ein.

… besondere Arzneimitteltherapien einnehmen müssen. Immununterdrückende Therapiemaßnahmen im Bereich der Krebstherapie, aber auch therapeutische Maßnahmen für HIV-Patienten oder Menschen, die Transplantate in sich tragen.

Wie erkennt man Nagelpilz frühzeitig?

Anfänglich ist am Nagel erst mal eine leichte Trübung zu erkennen, der Nagelglanz nimmt ab, eventuell tritt eine milchige Verfärbung auf. Später kann die Verfärbung ins Gelbe übergehen und die oberste Nagelschicht beginnt zu verhornen. Die Verhornung des Nagels kann dazu führen, dass sich der Zehennagel verformt und in die Höhe wächst.

[ANMERKUNG] Hier macht Bildmaterial der Erkrankung von Frühstadium bis Spätphase Sinn. [ANMERKUNG]

[TWITTER ZITAT] Eine Verfärbung des Nagels, insbesondere eine Gelbverfärbung sollte als ernstes Zeichen für eine mögliche Pilzerkrankung wahrgenommen werden. [TWITTER ZITAT]

Differenzialdiagnosen bei Verfärbungen und rissigen Nägeln sind Überbeanspruchung, Schuppenflechte und rheumatische Erkrankungen.

Was tun bei Nagelpilz?

Wer unsicher ist und wer eine bekannte Grunderkrankung hat, sollte mögliche Therapiemaßnahmen immer mit dem Allgemeinmediziner oder Hautarzt abklären. So lässt sich feststellen, welche Therapie Sinn macht und Erfolg verspricht.

Grundsätzlich lässt sich Nagelpilz in der Selbstmedikation behandeln. Wer Nagelpilz auf eigene Faust behandeln möchte, sollte allerdings die Kriterien zur Selbstbehandlung beachten.

Voraussetzung zur Selbstmedikation bei Nagelpilz.

  • Maximal zwei Nägel sind betroffen.
  • Befall nicht größer als 50% Das bedeutet, mehr als die Hälfte des angegriffenen Nagels muss gesund sein.
  • Matrix ist gesund: Weißer, heller Halbmond und Nagelbasis dürfen nicht betroffen sein.

Treffen die genannten Kriterien nicht zu, wird der Arzt den Einsatz einer systemischer Pilztherapie prüfen. Allein mit Salben und Produkten von Außen ist dem massiven Pilzbefall nicht beizukommen. Arzneimitteln zur Einnahme können über die Blutbahn wirken und so auch die Matrix versorgen.

Rezeptfreie Produkte gegen Nagelpilz.

Damit Nagelpilz erfolgreich behandelt werden kann, muss der Wirkstoff durch den Nagel ins Nagelbett durchdringen. Herkömmliche Cremes, die gegen Fußpilz wirken, helfen deshalb in der Regel nicht.

Ein Produktart gegen Nagelpilz sind Cremes mit Harnstoff. Die machen das vom Pilz befallene Nagelhorn weich. Am Ende der Behandlung wird das Hornmaterial mit einem beigefügten Schaber möglichst vollständig abgeschabt.

Eine weitere Möglichkeit zur Therapie stellen Anti-Pilz-Lacke dar. Davon gibt es wasserlösliche und wasserunlösliche Produkte. Obzwar Hersteller versuchen, die Produkte in besonders gutes Licht zu rücken, hebt die Studienlage keines der Produkte besonders hervor.

Lacke gegen Nagelpilz sollten über einen langen Zeitraum aufgetragen werden. Die Therapie sollte erst gestoppt werden, wenn der komplette Nagel wieder vollständig gesund nachgewachsen ist. Bis dahin sollte die Therapie ohne Unterbrechung fortgesetzt werden.

Wie lange dauert die Behandlung?

Fußnägel wachsen etwa dreimal so langsam wie die Nägel an der Hand. Deshalb kann es durchaus sein, dass die Behandlung langwierig ist – bei Fußpilz kann die Therapie bis zum Erfolg schon neun bis zwölf Monate andauern.

Weil die Nagelpilz-Therapie über einen wirklich langen Zeitraum durchgeführt werden sollte, machen Produkte Sinn, die zum individuellen Lebensstil passen.

Wasserlösliche Anti-Pilz-Lacke müssen einmal täglich abends aufgetragen werden, damit über Nacht das Produkt eingezogen ist.

Wasserunlösliche Anti-Pilz-Lacke werden nur einmal in der Woche appliziert. Zuvor sollte das vom Pilz befallene Nagelmaterial mit einer Feile möglichst gründlich gereinigt werden, sodass der Wirkstoff möglichst gut das Horn in das durchdringen kann.

Cremes werden einmal am Tag für sieben bis vierzehn Tage unter ein Pflaster appliziert. Der Wirkstoff der Creme dringt zunächst nicht unter den Nagel ins Nagelbett durch. Sollte sich der Nagel nicht komplett ablösen lassen, könnten Pilzsporen im Nagelbett zurückbleiben und das nachwachsenden Horn erneut befallen.

Hilfreiche Tipps bei Nagelpilz.

  • Nagellack kann in der Zeit der Therapie nicht aufgetragen werden.
  • Einmalfeilen zur Nagelpflege nutzen.
  • Vor und nach dem Feilen gründlich waschen und mit Desinfektionsmittel Hände oder Füße säubern.
  • Behandlung fortsetzen, auch wenn die ersten Verfärbungen verschwunden sind.

Hohes Nagelpilz-Risiko durch künstliche Nägel?

Die Antwort auf diese Frage ist eindeutig, ja. Aufgeklebte und künstliche Nägel stellen ein erhöhtes Risiko für einen Befall mit Nagelpilz dar. Verantwortlich dafür sind kleinste Risse im Horn aber auch Luftbläschen im Kleber. Beides macht die Verbindung zwischen Kunstnagel und eigenem Nagel wasserdurchlässig. Die Folge ist ein warmes und feuchtes Mikroklima, der ideale Nährboden für Nagelpilz.

Fazit Nagelpilz

Nagel- und Fußpflege sind immens wichtig. Eine Gelbverfärbung am Nagel, auch wenn es nur ein winzig kleines Eckchen ist, kann als Zeichen für eine Pilzerkrankung wahrgenommen werden. Unter den genannten Risikogruppen sollten speziell zuckerkranke Patienten auf eine regelmäßige Fußkontrolle achten.

Steffen Kuhnert

Über Steffen Kuhnert

Ich bin Apotheker, Gesundheitsexperte und Gründer von gerne gesund. Deine Gesundheit steht im Mittelpunkt unseres Tuns, daher kontaktiere uns bei Fragen.

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